Ansichten eines Informatikers

Deutschland, (vermeintlich) reiches Land

Hadmut
25.7.2024 22:50

Es ist gerade mal wieder zum Davonlaufen.

Wisst Ihr, was ich – publizistisch – gerne hätte?

Einen kompletten Katalog aller Personen, Stellen, Zitate, in denen Leute aus Politik und Medien unter der Behauptung, Deutschland sei so ein reiches Land, wir müssten uns das leisten können, forderten, für irgendwas Geld rauszuschmeißen.

Ich glaube, besonders SPD und Grüne waren da immer gern dabei. Vielleicht sind wir irgendwann mal an dem Punkt, an dem KI alle Presse- und Medienveröffentlichungen seit Bestehen der Republik indizieren und darin suchen kann, was aber wohl weniger an der KI scheitern wird als daran, dass Rundfunk und Presse ihre Publikationen und Politikeraussagen verschwinden lassen.

Gerade kommt in den Fernsehnachrichten, dass die Ökos einen Flughafen blockiert haben und die Bahn massiv Minus macht, marode ist, und jetzt sogar trotz Personalmangel Stellen abbauen muss um zu sparen. (Komisch, hieß es nicht, wir bräuchten Migration, um die Bahn noch betreiben zu können, wegen des Fachkräftemangels?) Rekorde bei Zugausfällen und Verspätungen.

Also:

  • Inlandsfliegen sollen und dürfen wir nicht.
  • Autofahren sollen wir auch nicht, weil Verbrenneraus, und E-Autos nicht weit genug kommen.
  • Zugfahren sollen wir, geht aber auch nicht, weil das Geld fehlt, das Personal gekürzt werden muss, das Bahnnetz schon am Ende seiner Kapazität ist und das ganze Ding marode ist.
  • Zu Pferde geht auch nicht, man würde uns Tierquälerei vorwerfen, und die Pferdedroschken sind ja aus Berlin auch völlig verschwunden.
  • Bleibt Lastenrad, aber damit wird man in Berlin über den Haufen gefahren, und, ehrlich gesagt, ich käme damit nicht mehr weit.

Wie soll man sich da noch bewegen?

Ja, eigentlich ja gar nicht, man will ja die 15-Minuten-Stadt, in der man alles, was man braucht, in 15 Minuten erreichen soll.

Was im Klartext heißt, dass man nichts mehr erreichen soll, was sich nicht mehr oder weniger zufällig in nächster Umgebung befindet – während man natürlich den Einzelhandel, Restaurants, Theater und so weiter alle über Personalkosten, Energiekosten, Sozialabgaben, Steuern, Bürokratieaufwand und so weiter pleite macht.

Künftig wird man dann wohl eine Art Visum brauchen, um noch weiter als 15 Minuten von seiner Wohnadresse wegzukommen.

Nun würde mich aber mal interessieren, wie das Märchen „vom reichen Land“ damit zusammenpasst, dass uns der Zustand der Bahn – vor allem, seit der EM – international so peinlich ist. Unsere Infrastruktur ist verbraucht und überlastet, auch die Brücken sind ja mehr oder weniger am Ende. Mit den Kraftwerken läuft es auch nicht gut, die Industrie geht vor die Hunde.

Neulich las ich irgendwo die These, dass Deutschland keineswegs wirtschaftlich gut dasteht, sondern eher ein Betrugsfall sei, weil es so viele versteckte Schulden gäbe, wie etwa die Pensionsansprüche, dass der Staat faktisch eigentlich schon so gut wie pleite sei.

Ich hätte dann gerne mal einen Katalog aller Forderungen und Ausgaben, wer, wann, wo und wofür Geld mit eben jener Begründung gefordert oder rausgeworfen hat, dass Deutschland doch ein so reiches Land wäre.