Ansichten eines Informatikers

Von der Sinnkrise des Bloggers, recht zu haben

Hadmut
15.3.2025 12:57

Hat sich der Daseinszweck des Bloggers erledigt, wenn seine Vorhersagen eintreten?

Seit über 25 Jahren betreibe ich diese Webseite, seit fast 20 Jahren als Blog.

Oft und umfangreich habe ich vor dem gewarnt, was jetzt eingetreten ist. Doch was tut man, wenn man als Pessimist recht behält? Freut man sich oder graust es einem?

Mich erinnert meine Situation an die der „Verschwörungstheoretiker“. Die Verschwörungstheorien haben sich größtenteils als wahr oder als zumindest im Prinzip zutreffend herausgestellt, während die, die sie als „Verschwörungstheoretiker“ beschimpften, nur Mist erzählten. Dasselbe mit denen, die man „Populisten“ genannt hat. Alles eingetreten, was die gesagt haben.

Man fühlt sich wie Kassandra:

Kassandra (altgriechisch Κασσάνδρα Kassándra, manchmal auch Κασάνδρα Kasándra, lateinisch Cassandra) ist in der griechischen Mythologie die Tochter des trojanischen Königs Priamos (lateinisch Priamus) und der Hekabe (lateinisch Hecuba), damit Schwester von Hektor, Polyxena, Paris und Troilos sowie Zwillingsschwester von Helenos.

Der Gott Apollon gab ihr wegen ihrer Schönheit die Gabe der Weissagung. Als sie jedoch seine Verführungsversuche zurückwies, verfluchte er sie, auf dass niemand ihren Weissagungen Glauben schenken werde. Daher gilt sie in der antiken Mythologie als tragische Heldin, die immer das Unheil voraussah, aber niemals Gehör fand. Derart ungehörte Warnungen werden als Kassandrarufe bezeichnet.

Das Problem mit den Prophezeiungen und Warnrufen ist, dass sie ihren Wert verlieren, sobald sie eintreffen. Wenn sie keine Prophezeiungen mehr, sondern nur noch Kommentar zum Offensichtlichen sind. Wenn man den Zeitpunkt, der Gegenstand der Prophezeiungen überschritten hat.

Wie bei Loriot und der Pferderennbahn: „Mein Gott, wer gewinnt denn, wer gewinnt denn?“ – „Na, wer zuerst drin ist!“ – „Gott, wenn er drin ist, weiß ich’s ja auch …“

So wurde zwar nicht berichtet, kann aber trotzdem als gewiss gelten, dass Warnungen vor Eisbergen auf der Titanic nach Eintreten der Prophezeiung drastisch an Wert und Interesse verloren.

Was tut man also als Blogger, wenn alles das, wovor man 25 Jahre warnte, trotzdem eingetreten ist? Und man plötzlich dasteht wie ein Pathologe, der innerhalb der Ärzte als „postmortaler Klugscheißer“ dasteht?

Tue Gutes und rede darüber. Alte Politische Weisheit. Sollte man sich als Blogger nun selbst loben? Das sage ich Euch doch seit 25 Jahren? Oder stinkt Eigenlob?

Was macht man als Blogger, wenn die Warnungen alle eingetreten sind, das Schiff den Eisberg schon gerammt hat?