Islamische Erfindungen
Eine Anmerkung.
Gerade kommt das wieder in den Social Media hoch, dass der Islam so ein großes Erfindungsreichtum hervorgebracht habe (langer Tweet, anklicken):
Eine? Ich nenne dir 10 islamische Erfindungen:
1. Arabische Kalligrafie & Muster – Ibn Muqla
2. Astrolabium – Mariam al-Asturlabi
3. Seife & Hygieneprodukte – Al-Razi
4. Kaffee – Derwisch Scheich al-Dhabhani
5. Destillierte Parfums & Attar – Al-Kindi
6. Linsen in der Optik… https://t.co/ZKIX7CTWDk
— Nasir Ahmad (@_nasir_ahmad_) April 2, 2025
Die Leute haben das in den Antworten schon auseinandergenommen. Eigentlich sind nichts davon Erfindungen des Islam, sondern waren alle schon lange vor dem Islam erfunden und gehen auf Inder, Ägypter, Perser zurück. Und weil es so gerne erwähnt wird: Auch die arabischen Ziffern/Zahlen und die Algebra und Algorithmen (abgeleitet vom Mathematiker al-Chwarizmi), stammen aus anderen Ländern, vor allem Inder, Babylonier, Griechen, Ägypter zurück.
Die Araber waren allerdings sehr gut darin, Wissen aus anderen Ländern zu sammeln, aufzuschreiben, teils auch zu verbessern – und dann so zu tun, als hätten sie es erfunden.
Mich erinnert die Sache an das islamische Museum in Sharja/Schardscha, sehr schön gemacht. Übrigens wurde das Gebäude ursprünglich als Souq, als arabisch/islamisches Marktgebäude gebaut, aber danach überlegte man es sich anders, baute den Markt woanders hin und hatte dann da ein neues, ungenutztes, prächtiges Marktgebäude, und dachte sich dann, na, dann machen wir doch ein Museum der islamischen Zivilisation daraus, und ein Souq passt doch wunderbar zu einem Museum über den Islam. Man geht da also rum wie auf einem Markt von Laden zu Laden und schaut, was es da im Angebot gibt. Und nach dieser Architektur haben die sich dann auch thematisch aufgeteilt. Im Prinzip geht man durch ein Einkaufszentrum und schaut sich statt Läden die Themen an.
Sie haben dort auch einen „Laden“ für islamische Erfindungen.
Aber der ist verblüffend mickrig. Man geht da durch und denkt sich „ist das schon alles?“ wenn man zum Vergleich das technische Museum in Berlin oder gar das Deutsche Museum in München kennt. Man merkt doch, dass der Rest des Museums sehr üppig ist, sie für dieses Thema aber schon gucken mussten, was sie da zusammenkehren können.
Was mir vor allem immer wieder auffällt:
- Es gibt eigentlich keinen Bezug zum Islam, sondern es werden Erfindungen, die man Arabern oder Leuten, die sich damals in Arabien aufhielten, zuordnet, automatisch dem Islam zugeschrieben. Als würde man alle Erfindungen von Deutschen der Kirche zuschreiben.
- Es wird niemals betrachtet, ob es das früher schon woanders gab.
- Alle diese Erfindungen und Erfinder stammen, selbst wenn man das alles für wahr hält, aus dem Zeitraum des achten und neunten Jahrhunderts, also der Phase, in der der Islam sich überhaupt erst ausbreitete und aufkam, also eigentlich noch nicht etabliert war.
- Im Zeitraum zwischen Aufkommen des Islam und der Kolonialisierung (Briten) kommt da fast nichts mehr vor, da besteht eine finstere Lücke von rund 1000 Jahren, in denen anscheinend gar nichts mehr erfunden wurde.
Auf mich wirken solche Listen oder Museen deshalb nicht wie eine Ausstellungen der Erfindungen des Islam, sondern mehr so wie ein „Unsere letzten Erfindungen hatten wir vor dem Islam, dann wurde es finster.“ Als ob man seit dem Islam eigentlich nichts mehr erfunden hat.
Das würde auch dazu passen, dass viele Islam-Gelehrte der Meinung sind, dass man außer dem Koran kein einziges Buch mehr brauche, weil im Koran alles drin stehe. Das Wissen im Koran sei vollständig.
Ich hatte schon oft von diesem Tag erzählt, an dem ich in Dubai erst in einer Moschee und danach in einem Teppichgeschäft ins Gespräch mit Muslimen kam, erst über den Islam, dann mit deren Ziel, mich für den Islam zu gewinnen.
Eine zentrale Aussage war, dass im Koran alle Erfindungen, die man machen kann, schon erwähnt seien. Ich hatte ihnen nämlich die Frage gestellt, woher sie wissen und sich daran so sicher sind, dass der Koran von Gott komme und sich Mohammed das alles nicht einfach nur ausgedacht hat und das mit Gott gar nichts zu tun hat.
Dazu verwiesen sie sogar darauf, dass Mohammed kaum gebildet und Analphabet gewesen sei, im Koran aber schon Dinge wie Magma im Erdinneren, Kernkraft, Raumfahrt erwähnt seien – sie nehmen dann irgendeine Formulierung aus dem Koran und legen diese sehr phantasievoll aus. Woher, so ihr Argument, hätte ein Analphabet das zur damaligen Zeit schon alles wissen können, wenn nicht von Gott?
Ich fand das damals schon bestürzend naiv, wenn man der Meinung ist, dass man außer dem Koran kein weiteres Buch mehr brauche, weil da schon alles drin stehe, und sie dann irgendwas aus einem Vers an den Haaren herbeiziehen, dabei aber völlig ignorieren, wieviel man wissen und lesen muss, um Physik oder Geologie zu verstehen.
Der hatte mir damals eine Webseite gezeigt, auf der das beschrieben wird, dass im Koran der Aufbau der Erde verschlüsselt sei, an die ich mich nicht mehr erinnern kann, aber hier findet man etwas sehr Ähnliches.
Auf meinen Einwand, dass das alles aus dem Koran überhaupt nicht hervorgeht, sondern von anderen entdeckt wurde und sie es dann in den Koran zurückinterpretieren, gingen sie nicht ein. Es zeigt aber, dass sie auf alles, was die moderne Welt erfindet und entdeckt, darauf reagieren, dass das auf den Islam zurückgehe, weil sich irgendwas im Koran finde, was dahingehend auszulegen sei.
Und weil es mir gerade wieder einmal über den Weg lief:
Auch wenn ich mich wiederhole: Das deutsch-türkische Gastarbeiter-Abkommen ist von 1961. Die ersten türkischen Gastarbeiter kamen also Anfang der 1960er Jahre. Da war der Wiederaufbau schon weitgehend abgeschlossen. Das deutsche Wirtschaftswunder datiert sich auf 1955.
Die… pic.twitter.com/aUHysdMs0A
— Anabel Schunke (@ainyrockstar) April 2, 2025
Daran kann ich mich sogar noch gut erinnern, obwohl ich da erst drei, vier Jahre alt war, weil wir damals eine alte Wohnung an türkische Gastarbeiter der ersten Generation vermietet hatten. Ich war da oft dabei und hatte immer über deren himmelblauen Ford Transit mit Dachgepäckträger gestaunt, mit dem die zwischen Deutschland und der Türkei pendelten und den immer, wenn sie damit ankamen, bis zum geht-nicht-mehr mit Mensch und Habe vollgestopft und beladen hatten. Zu dem Zeitpunkt waren die Gastarbeiter aber noch sehr wenige, eine Seltenheit, und Deutschland in vielerlei Hinsicht schon wieder aufgebaut oder im Aufbau.
Das stimmt also nicht, dass Deutschland von Gastarbeitern wieder aufgebaut worden sei. Sondern wir hatten ein Wirtschaftswunder durch den Wiederaufbau, und die Amerikaner wollten, dass wir die Türken dabei mitmachen lassen, denn das ganze war ein Deal zwischen Russen und Amerikanern zur Lösung der Kuba-Krise (John F. Kennedy usw.)
Der Deal war, dass die Russen ihre Raketen von Kuba, und die Amerikaner dafür ihre Atomraketen aus der Nachbarschaft der Russen abziehen. Man hat da nur, damit die Amerikaner das Gesicht nicht verlieren und innenpolitisch nicht blöd dastehen, nicht offiziell gemacht und mit dem Abzug der amerikanischen Atomraketen, vor allem aus der Türkei, erst ein halbes Jahr später angefangen und keinen offiziellen Grund für den Abzug genannt.
Das wollten die Türken nicht mitmachen, weil sie wirtschaftlich darauf angewiesen waren, dass die Amerikaner ihnen damit Geld ins Land bringen, und bestanden auf die Verträge.
Zum Ausgleich für den Abzug der Amerikaner aus der Türkei und das damit einhergehende Geschäft hat man den Türken angeboten, dass Deutschland, über das die Amerikaner die faktische Hoheit hatten, Gastarbeiter, die man damals eher aus Portugal usw. holte, auch aus der Türkei annehme, damit die Geld in die Türkei überweisen können und auf diese Weise getarnte, geldgewaschene Ausgleichszahlungen an die Türkei erfolgten, die nirgends in den Büchern standen und nicht also solche zu erkennen waren.
Deutschland hat damals türkische Gastarbeiter kaum gebraucht oder geholt, sondern verdeckt die amerikanischen Vertragspflichten gegenüber der Türkei erfüllt.
Man hat das dann – wie bei der heutigen Migration – öffentlich so hingestellt, als bräuchte man dringend Gastarbeiter, oder wie es heute heißt, „Fachkräfte“, damit die Leute das akzeptieren, in Wirklichkeit war es aber nur ein Tarngeschäft um die Türkei für den Abzug der Amerikaner als Folge der Kuba-Krise zu entschädigen.
Und heute verbreiten sie dann, Deutschland sei von den Türken wieder aufgebaut worden. Bei Rechten würden die Sozialogen so etwas als „Verschwörungserzählung“ einstufen.
Die genaueren Hintergründe müsste man nochmal klären, denn das deutsch-türkische Gastarbeiterabkommen ist vom Oktober 1961, während die Kubakrise erst im Oktober 1962 stattfand. Anscheinend hat man das genutzt, weil das schon bestand und nicht erst gebaut werden musste, und das quantitativ aufgeblasen, denn die ersten Gastarbeiter in Deutschland waren Portugiesen und Italiener. Womöglich hat sich die Türkei da mit drangehängt, und als man in der Kuba-Krise innerhalb weniger Tage unter hohem Druck eine Lösung brauchte, hat man wohl darauf gesetzt, weil es unauffällig ist, bestehende Verbindungen aufzublasen. Es wäre mal sehr interessant, das aufzudecken und aufzuklären und einigen Leuten ihre Vorstellungen geradezurücken.
Das Problem daran ist, dass sich die heutigen Generationen nicht nur immer weiter von der Geschichte entfernen. Fragt mal heutige Jugendliche, was die Kuba-Krise und wer John F. Kennedy war. Dafür sind die alle auf dem Antirassismus- und Einwanderungs-Trip und glauben das sofort, dass Deutschland von den Türken aufgebaut worden sei und ihnen ja deshalb eigentlich schon gehöre, das also eher so eine Kündigung wegen Eigenbedarfs als eine Einwanderung oder Übernahme sei.
Ähnliche Effekte sieht man gerade bei Afrikanern, die sich auch reihenweise einbilden, dass alle Erfindungen der Moderne eigentlich in Afrika gemacht und dann von den Weißen nur geklaut worden seien.
Wir sehen gerade rapide Geschichtsfälschung in Bezug darauf, wer wann was wo erfunden oder aufgebaut hat.